Kämpfende Ritter, liebe Hexen und wundersame Tänzerinnen

Der Kinder-Hospizdienst Saar feierte sein Sommerfest als großes mittelalterliches Spektakel

FOTOS: Franziska Sprenger

20.10.2010

Losheim am See. „Ich glaube, ich habe einen Fan“, lachte die Bauchtänzerin, denn der kleine Daniel* wollte ihre Hand gar nicht mehr loslassen. Er war fasziniert von den bunten Bändern, den unzähligen Glöckchen an ihrem weiten Rock und dem aufwändigen Kopfschmuck. Daniel ist ein Kind mit Behinderung; seine Familie wird vom Kinder-Hospizdienst Saar unterstützt. Mitte August feierten er und seine Eltern zusammen mit anderen betroffenen Familien und den ehrenamtlichen Helfern des Hospizdienstes ein mittelalterliches Sommerfest mit Rittern, Hexen, Handwerkern und Bauchtänzerinnen. „Dieses Fest war bisher unser größtes“, berichtete Beate Leonhard-Kaul stolz. Das mittelalterliche Spektakel für die rund 200 kleinen und großen Gäste hat sie mit auf die Beine gestellt. Leonhard-Kaul berät gemeinsam mit ihren Kollegen im Kinder-Hospizdienst Saar die Familien und ist für die Koordination sowie für die Ausbildung der ehrenamtlichen Hospizhelfer zuständig.

„Sebastian strahlt immer übers ganze Gesicht, wenn er Trommeln hört“, so die alleinerziehende Mutter eines schwerstmehrfachbehinderten Jungen. Sie freute sich, als ein Trommler sich neben ihren Sohn stellte und extra für ihn spielte. Ihre kleine Familie kennt den Kinder-Hospizdienst Saar schon einige Jahre und die Mutter ist dankbar für die Zeit, die die ehrenamtlichen Helfer regelmäßig mit Sebastian verbringen. „Es geht uns hauptsächlich darum, Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung zu betreuen und ihre Familien zu entlasten – Kinder im Sterbeprozess zu begleiten, ist nur ein Aspekt unserer Arbeit“, erklärte Leonhard-Kaul. Einer der Ehrenamtlichen besucht Sebastian bereits seit zwei Jahren und gehört schon fast zur Familie. Mindestens einmal in der Woche unternehmen Sebastian und er gemeinsam etwas. Seine Mutter hat dann Zeit für sich, für wichtige Erledigungen oder auch für Sebastians kleine Schwester Maja. „Die gesunden Kinder kommen bei der intensiven Pflege, die ihre kranken Geschwister brauchen, oft zu kurz“, ist sich Leonhard-Kaul bewusst. Die vielen lustigen und interessanten Möglichkeiten im Mittelalterlager, wie zum Beispiel Bogenschießen, Schwertkämpfe und Märchenerzählen, waren daher auch für die Geschwisterkinder gedacht.

Vom Kuchen am Nachmittag bis zur Feuerspuckershow zum Abschluss wurde das Fest komplett aus Spenden finanziert – zudem konnte Beate Leonhard-Kaul auf jede Menge helfende Hände zählen, unter anderem aus der Dorfgemeinde Britten. „Es hat so gut getan, bei einem großen Fest mal nicht die Einzige mit einem Kind im Rollstuhl zu sein“ so die Mutter der chronisch kranken Emmi, als sie am Abend nach der Feuershow ihre kleine Tochter zum Auto bringt. Und allen, die dabei waren, sprach sie aus der Seele, als sie sagte: „Dieses Fest war einfach toll!“ 

*Namen der Kinder von der Redaktion geändert

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