„Je klarer und präziser wir formulieren, um so besser werden wir verstanden"

Das Ethik-Komitee der Einrichtungen der stationären Altenhilfe und der Hospize der Marienhaus GmbH – ein Arbeitsbesuch

17.12.2010

Koblenz. Gut zwei Stunden dauert die Diskussion. Die Gruppe feilscht im besten Sinne des Wortes um Formulierungen und Begrifflichkeiten und gibt der Arbeitshilfe zur Entscheidungsfindung bei der Anlage einer PEG gemeinsam den letzten Schliff. Das ist nötig und sinnvoll, „denn je klarer und präziser wir formulieren, um so besser werden wir verstanden“, sagt Schwester Marianne Meyer. Sie ist Vorsitzende des Ethik-Komitees der Einrichtungen der stationären Altenhilfe und der Hospize der Marienhaus GmbH, das sich vor gut dreieinhalb Jahren konstituiert hat.

Bei dieser 13. Sitzung Anfang November in Koblenz, bei der wir zu Gast sind, geht es in einem zweiten Arbeitsschritt darum, dass sich die Gruppe gezielt darauf vorbereitet, dieses Konzept bei einer Tagung Mitte November den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Alten- und Pflegeheimen und den Hospizen, an denen der Träger beteiligt ist, vorzustellen, mit ihnen zu diskutieren und in diesem Rahmen möglichst auch zu einer Entscheidung zu kommen, wie die Einrichtungen mit dieser Arbeitshilfe umgehen sollen. – Das ist zwischenzeitlich geschehen: Das Konzept hat breite Zustimmung gefunden. Der vom Ethik-Komitee entwickelte Überleitungsbogen zum Thema PEG wird in den Gesamt-Überleitungsbogen, der in den Alten- und Pflegeheimen und den Hospizen Verwendung findet, integriert. Und die Arbeitshilfe wird in Zukunft in den Einrichtungen Richtschnur und Orientierungshilfe sein, wenn es um die Frage geht, ob eine Bewohnerin oder ein Bewohner mittels Magensonde künstlich ernährt werden soll.

Ethische Fragestellungen haben in den letzten Jahren gerade auch in den Einrichtungen der Altenhilfe an Bedeutung gewonnen. Viele Fragen und Probleme sind nämlich so komplex, dass sie nur im ethischen Diskurs unter sorgfältigem Abwägung von Pro und Kontra einer Lösung zugeführt werden können. Da ist es nur gut, wenn es ein Ethik-Komitee gibt, das zur ethischen Bewusstseinsbildung in den Einrichtungen beiträgt und Antworten auf konkrete ethische Fragestellungen zu geben versucht, die sich im Alltag immer wieder stellen.

Vor diesem Hintergrund ist im Sommer 2007 das Ethik-Komitee ins Leben gerufen worden, das sich anfangs in seiner Arbeit auf die Alten- und Pflegeheime konzentriert hat. „Aber ziemlich schnell haben wir festgestellt“, so Schwester Marianne, „dass unsere Themen oftmals auch die Hospize betreffen.“ Und so hat man schnell entschieden, die Hospize in die Arbeit des Ethik-Komitees mit einzubinden. So vertritt seit geraumer Zeit Christiane Dommach aus dem Franziskus-Hospiz in Hochdahl in dem multiprofessionell zusammengesetzten Team – Arzt, Juristin, Heim- und Pflegedienstleitungen sowie Theologen sitzen hier gemeinsam am Tisch – den Hospizbereich.

Die künstliche Ernährung mittels Magensonde ist das schon dritte große Thema, dessen sich das Ethik-Komitee angenommen hat. So hat die Gruppe bereits einen Standard zum Umgang mit durch MRSA (also Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursachte Infektionen entwickelt und eine verbindliche Verfahrensanweisung erarbeitet. Der zweite Themenkomplex war dann die medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohnern in den Einrichtungen der Altenhilfe. Von einer weiteren Beratung hat das Komitee allerdings Abstand genommen, weil es, wie Schwester Marianne erläutert, gerade auf dem Lande um die fachärztliche Betreuung der alten Menschen oft schlecht bestellt ist.

Die Themen werden dem Ethik-Komitee gleichwohl nicht ausgehen. Patientenverfügungen sind ein Bereich, der bearbeitet werden könnte. Oder das große Thema Freiheit, wo das Selbstbestimmungsrecht des Bewohners oft genug mit der Fürsorgepflicht des Heimes für eben diesen Menschen kollidiert. Das sind Fragen, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Heimen unter den Nägeln brennen. Es bleibt also genug zu tun für Schwester Marianne und ihre Mitstreiter im Ethik-Komitee...

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