„Dieses Gefühl, dass jemand für mich da ist, hilft mir an schlechten Tagen sehr“

Seit über zehn Jahren kümmert sich das Ambulante Hospiz Neuwied um schwerstkranke und sterbende Menschen im Kreis Neuwied. Hospizfachkräfte und ehrenamtliche Hospizhelfer sorgen dafür, dass die Patienten ihre letzte Lebensphase in ihrer gewohnten Umgebung verbringen können. Die Marienhaus GmbH, der Neuwieder Hospiz e.V., die Franziskanerbrüder vom Hl. Kreuz in Hausen und die Genossenschaft der Töchter des hl. Kamillus ermöglichen als Träger das Begleitungsangebot des Hospizes, das kostenfrei und jedem zugänglich ist. Unsere dreiteilige Serie stellt die Arbeit des Ambulanten Hospizes vor. Im ersten Teil haben wir den Patienten Karl-Heinz Weiss nach seinen Erfahrungen gefragt.

17.12.2010

Neuwied. „Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, erzählt Karl-Heinz Weiss. Der 65-Jährige wird seit zwei Jahren aufgrund seiner Krebserkrankung regelmäßig von den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Ambulanten Hospizes in Neuwied begleitet. Damals bekam er die Diagnose Zungengrundkarzinom. Diese Tumore im Mund-Nasen-Bereich sind sehr selten und greifen schnell auf benachbarte Regionen wie die Halslymphknoten über. Bei einer sehr frühen Diagnose bestehen gute Überlebenschancen. Bei Karl-Heinz Weiss wurde der Tumor allerdings in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt und er entschied sich gegen eine Behandlung.

Da bei Karl-Heinz Weiss keine Aussicht mehr auf eine Heilung besteht, wird er palliativ behandelt. Das bedeutet, er erhält keine Medikamente mehr, die seinen Tumor bekämpfen, sondern Schmerzmittel. Diese helfen ihm dabei, seine Krankheit fast ohne Schmerzen zu verkraften. Immer wieder muss er auch stationär ins Krankenhaus. Auf der Palliativstation des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth in Neuwied lernte er Sabine Birkenbach kennen. Seitdem kümmert sich die Hospizfachkraft um ihn. „Das tue ich allerdings nicht allein“, erklärt Birkenbach. „Für Herrn Weiss haben wir mit Frau Metzler eine ganz tolle Ehrenamtliche gefunden“, so Birkenbach weiter. Brigitte Metzler besucht Weiss einmal in der Woche. „Manchmal kommt sie auch öfter und wir telefonieren täglich“, freut sich Weiss über die tolle Unterstützung. Dann sprechen die beiden über Gott und die Welt, denn „zu quatschen gibt es immer was“, sagt Weiss. Er ist vielseitig interessiert: Sie tauschen sich über das aktuelle Tagesgeschehen aus, reden über Fußball oder über die letzte Reportage, die Weiss im Fernsehen gesehen oder gelesen hat.

Auch kleine Wünsche versucht die Ehrenamtliche noch zu erfüllen. So war es für Weiss ein Bedürfnis, noch einmal das Grab seiner Mutter zu besuchen. Also haben sich die beiden auf den Weg in die Nähe von Montabaur gemacht. „Diese Fahrt hat mich sehr angestrengt“, erinnert sich Weiss, „aber für mich war es wichtig, dort hin zu gehen“. Weiss kann kaum noch das Haus verlassen – solche Ausflüge sind für ihn ein wirkliches Highlight, „die ihm oft noch mal einen Auftrieb geben“, hat Sabine Birkenbach beobachtet. Früher ist Weiss viel herumgekommen, wie er selbst sagt. Geboren wurde er in Dänemark, als junger Mann war er eine zeitlang bei der Bundeswehr, dann folgten die unterschiedlichsten Jobs.

Die Mitarbeiter des Ambulanten Hospizes unterstützen Karl-Heinz Weiss auch bei vielen organisatorischen Dingen. „Das Hospiz hat mir sehr geholfen“, ist Weiss dankbar. So wurde für ihn ein Pflegedienst organisiert, Pflegehilfsmittel beantragt, dafür gesorgt, dass seine Spezialnahrung nach Hause geliefert wird, und die nötigen Behördengänge erledigt. Darüber hinaus kümmern sich die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Ambulanten Hospizes um die emotionalen Bedürfnisse der Patienten. Sie meditieren zum Beispiel miteinander, beten zusammen, singen, lesen gemeinsam Bücher oder sitzen einfach schweigend beieinander. „Ich kann das Hospiz nur weiterempfehlen“, fasst Weiss zusammen, „denn dieses Gefühl, dass jemand für mich da ist, hilft mir an schlechten Tagen sehr“.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.neuwieder-hospiz.de.

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