„Die Zeit, die man ihnen gibt, ist den Betroffenen am wichtigsten“

Seit über zehn Jahren kümmert sich das Ambulante Hospiz Neuwied um schwerstkranke und sterbende Menschen im Kreis Neuwied. Hospizfachkräfte und ehrenamtliche Hospizhelfer sorgen dafür, dass die Patienten ihre letzte Lebensphase in ihrer gewohnten Umgebung verbringen können. Die Marienhaus GmbH, der Neuwieder Hospiz e.V., die Franziskanerbrüder vom Hl. Kreuz in Hausen und die Genossenschaft der Töchter des hl. Kamillus ermöglichen als Träger das Begleitungsangebot des Hospizes, das kostenfrei und jedem zugänglich ist. Unsere dreiteilige Serie stellt die Arbeit des Ambulanten Hospizes vor. Im dritten Teil beschreiben zwei Ehrenamtliche ihre Arbeit.

07.02.2011

Neuwied. Cornelia Weidenthaler besucht gerade eine schwerstkranke Frau, als sie von deren elfjähriger Tochter gebeten wird, ihr einen Döner zu kaufen. Sie schlägt dem jungen Mädchen vor, gemeinsam mit ihr zu kochen. Begeistert lässt sich die Tochter darauf ein, da ihre Mutter aufgrund ihrer Krankheit das nur noch selten tun kann. Auch die Mutter freut sich, bei ihrer Tochter ein Lachen zu sehen. So vergessen beide für ein paar Stunden ihre schwierige Situation. „Als Hospizhelferin erlebt man immer wieder etwas Neues“, berichtet Weidenthaler von ihrer Arbeit. Sie ist eine der 65 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Ambulanten Hospizes Neuwied und engagiert sich bereits seit sechs Jahren in der Hospizarbeit. Insgesamt fünfzehn Betroffene hat sie schon auf ihrem letzten Lebensstück begleitet. „Als ich auf die Hospizarbeit aufmerksam wurde, befand ich persönlich auf Sinnsuche“, erinnert sich Weidenthaler. „Die Begegnungen und Begleitungen bereichern mein Leben und sie haben meine Sicht auf das Leben verändert“, beschreibt sie weiter. Vor allem habe sie gelernt, ihre eigenen Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wenn sie bei einem ihrer Patienten ist, dann stehen dessen Bedürfnisse und Wünsche im Vordergrund. „Die Zeit, die man ihnen gibt, ist den Betroffenen und seinem Umfeld am wichtigsten“, ist ihre Erfahrung.

Einmal wöchentlich besuchen die ehrenamtlichen Hospizhelfer ihren Patienten. „Jeder Patient und jeder Besuch ist anders und es ist immer wieder spannend, was auf einen zukommt“, erzählt Kurt Zilles. Der 62-Jährige ist mit Beginn seiner Altersteilzeit vor anderthalb Jahren zur Hospizarbeit gekommen. Vor 26 Jahren hatte er schon mal einen guten Freund auf seinem letzten Lebensweg begleitet. Die Erinnerung, wie gut es seinem Freund damals getan hatte, dass nicht nur Angehörige für ihn da waren, prägt ihn bis heute. „Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt er. Auf einem Informationsabend des Ambulanten Hospizes entschied er sich für die Grundausbildung zum Hospizhelfer.

In dieser Grundausbildung setzen sich die angehenden ehrenamtlichen Hospizhelfer hauptsächlich mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinander. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Biografiearbeit, mit den Themen Sterben und Tod, Trauer und Trennung. „Die Ehrenamtlichen sollen herausfinden, ob sie sich der Hospizarbeit gewachsen fühlen“, erklärt Corina Cassens, die Bildungsbeauftragte des Ambulanten Hospizes. In einem Praktikum vertiefen die künftigen Hospizhelfer das Erarbeitete. „Aber erst nach dem Aufbaukurs können die ehrenamtlichen Hospizhelfer in der Begleitung eingesetzt werden“, erläutert Cassens weiter. Hier werden ihnen verschiedene begleitungspezifische Themen vermittelt. So erhalten sie unter anderem Grundlagen in der Pflege, über Abschieds- und Bestattungsriten, über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Außerdem wird den Ehrenamtlichen das Rüstzeug mitgegeben, ihre eigene seelische Gesundheit im Gleichgewicht zu halten.

„Durch die Kurse entwickelt man schnell ein Gefühl für die eigenen Grenzen in der Begleitung“, berichtet Zilles. Regelmäßig bietet das Ambulante Hospiz Supervisionen an, in denen die Ehrenamtlichen ihre Erfahrungen reflektieren können. Zudem tauschen sich die hauptamtlichen Mitarbeiter regelmäßig mit den ehrenamtlichen Hospizhelfern aus und sind bei Problemen oder Krisen jederzeit ansprechbar. „So wie wir unsere Patienten nicht allein lassen, werden auch wir nicht allein gelassen“, ist Cornelia Weidenthaler von der Betreuung begeistert und sie würde sich jederzeit wieder für das Engagement in der Hospizarbeit entscheiden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.neuwieder-hospiz.de.

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