Eine Brücke zu den inneren Bildern bauen

Senta Connert bietet seit 17 Jahren Kunsttherapie im Franziskus-Hospiz Hochdahl an – die Bedürfnisse der Gäste stehen an erster Stelle

Für die Kunsttherapie ist im Wohnzimmer des Franziskus-Hospizes Hoch-dahl alles hergerichtet. Bevor die Kunsttherapeutin Senta Connert die Gäste besucht, wird sie von Krankenpfleger Gerhard Orzel darüber informiert, wie es jedem einzelnen geht.

09.09.2011

Erkrath. „Ich weiß nie, wie der Tag wird und was mich erwartet, wenn ich das Hospiz betrete“, gibt Senta Connert zu. Seit 17 Jahren kommt die Kunsttherapeutin einmal in der Woche in das Franziskus-Hospiz Hochdahl in Erkrath im Süden Düsseldorfs. Sie bietet den schwerstkranken Gästen an, mit ihnen oder auch für sie zu malen. Unterstützt wird sie dabei von Ursula Hertwig, die sich seit acht Jahren ehrenamtlich im Hospiz engagiert. Bevor Senta Connert heute zu den Gästen geht, nimmt sich Krankenpfleger Gerhard Orzel Zeit für die beiden Frauen und informiert sie darüber, wie es den einzelnen Gästen heute Morgen geht. So können sie sich auf das Befinden und den aktuellen Gesundheitszustand der Schwerstkranken einstellen.

Während Ursula Hertwig im Wohnzimmer Aquarellfarben anrührt, Pinsel und Papier bereit legt, macht sich Senta Connert auf den Weg zu Barbara Schmitz (Name geändert). Sie kennen sich, denn die ehemalige Dozentin lebt schon seit einigen Monaten im Hospiz, sie leidet an einem Hirntumor. Vor einigen Wochen konnte sie noch im Rollstuhl sitzen, das geht jetzt nicht mehr. Sie liegt im Bett und schaut auf die Wand, an der zahlreiche Fotos ihrer Familie hängen. Auch ein Bild, das sie fröhlich lachend während eines Urlaubs zeigt, und die Zeichnung eines Hundes, hängen dort. Den Hund hat Senta Connert letzte Woche für sie gezeichnet. „Barbara Schmitz geht es zunehmend schlechter, so dass sie nicht mehr selbst malen kann. Sie hat mir erklärt, wie ihr Hund aussieht und nach dieser Beschreibung habe ich ihn aufs Papier gebracht“, erläutert sie. Heute wählt Barbara Schmitz ein Foto ihrer Tochter aus, die die Kunsttherapeutin für sie zeichnen soll. Connert, die neben ihrer kunsttherapeutischen Ausbildung auch Kunst studiert hat, setzt sich neben das Bett und konzentriert sich ganz auf das Bild und Barbara Schmitz. Diese beobachtet sehr genau, was Senta Connert zeichnet. Ihr gefällt die Zeichnung, die entsteht, sie erkennt ihre Tochter darauf. Später möchte sie, dass das Bild an einer bestimmten Stelle aufgehängt wird, damit sie es besonders gut sehen kann.

Im Laufe des Morgens besucht Senta Connert alle Gäste. Keinem geht es heute so gut, dass er zum Malen ins Wohnzimmer kommen möchte. Eine Dame schläft, eine andere fühlt sich sehr schwach und will ihr Zimmer nicht verlassen. Rosemarie Maier (Name geändert) jedoch hat einen besonderen Wunsch: Vor wenigen Jahren ist ihre Tochter im Franziskus-Hospiz verstorben. Senta Connert hatte damals auch mit ihr gemalt. Das Bild eines Leuchtturms wurde in einem Kalender abgedruckt. Rosemarie Maier möchte sich dieses Bild ansehen und Senta Connert soll ihr den Text vorlesen, der dazu abgedruckt wurde.

Etwas später trifft die Therapeutin Josefine Müller (Name geändert) im Innenhof. In den vergangenen Wochen hat die ältere Dame schon zahlreiche Bilder gemalt. Heute sitzt sie angespannt in ihrem Sessel. Sie beugt sich etwas vor, als wolle sie gleich aufstehen, denn sie hat starke Leibschmerzen. Gerhard Orzel bringt ihr ein Medikament. In dieser Situation möchte sie nicht malen, aber die Bilder der letzten Kunsttherapiestunden möchte sie sich gerne ansehen. Sie stimmt freudig zu, als Senta Connert ihr vorschlägt, sich ein Bild in ihrer Phantasie vorzustellen. Sie lässt sich direkt darauf ein: „Wasser – ein blaugrünes Meer mit grauem Himmel“, sieht sie vor ihrem inneren Auge. Sie beschreibt das Bild und entspannt sich dabei sichtlich.

Sehr behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl versucht die Kunsttherapeutin herauszufinden, was den Gästen an diesem Morgen gut tut. Das, was letzte Woche das Richtige war, kann heute völlig falsch sein. So kamen erst vor kurzem sechs Gäste ins Wohnzimmer zum Malen und genossen die Gemeinschaft, heute kann Ursula Hertwig die Farben und Pinsel unbenutzt wieder einpacken. „Die Bedürfnisse und Wünsche der Schwerstkranken stehen an erster Stelle“, erläutert Senta Connert, die neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin eine Malgruppe für an Krebs erkrankte Menschen unter anderem im Alfried Krupp Krankenhaus in Essen begleitet und als Lehrbeauftragte an der Kunstakademie Münster und an der Akademie für Kunst und Therapie Magdeburg tätig ist. Finanziert wird die Kunsttherapie aus Mitteln der 2003 von der Ordensgemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen und der Marienhaus GmbH gegründeten Waldbreitbacher Hospiz-Stiftung, denn für solche Angebote kommt die Pflegeversicherung nicht auf. Mit der Kunsttherapie hilft Senta Connert den Kranken, eine Brücke zu ihren eigenen inneren Bildern und zu ihren Traumwelten zu bauen. „Dabei kommt es überhaupt nicht auf künstlerische Fähigkeiten an“, betont sie. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Gäste einen Weg zu sich selbst finden und sich wohl fühlen.“

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