Sie hat sich ihre fröhliche und liebevolle Ausstrahlung bewahrt

Schwester M. Renata Ehlert kümmert sich als Seelsorgerin im Franziskus-Hospiz Hochdahl um die schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihre Angehörigen

Jeden Morgen schaut Schwester M. Renata im Raum der Stille nach dem Rechten. Auf den gelben Kärtchen stehen die Namen der Menschen, die kürzlich im Hospiz verstorben sind.

21.12.2011

Erkrath. Seit acht Jahren arbeitet Schwester M. Renata Ehlert als Seelsorgerin im Franziskus-Hospiz Hochdahl. „Und jeden Tag gehe ich wieder gerne hin“, betont die 69-Jährige. Obwohl es manchmal auch schwer sein kann, wie sie zugibt. „An einem Tag sind auf einmal drei unserer Gäste verstorben“, erinnert sie sich, „da habe ich mich gefragt, wie viel ‚Sterben’ ein Mensch verkraften kann“. An solchen Tagen kommt sie abends nach Hause zu ihren zwei Mitschwestern in den Konvent und muss erst einmal mit sich allein sein. Oft legt sie sich dann einfach mit dem Rücken flach auf den Boden und macht Atemübungen. „So kann ich den Tag im Hospiz besser hinter mir lassen, bevor ich mich zu meinen Mitschwestern setze“, erklärt  sie ihre Entspannungsmethode.

Ein Ort des Rückzugs und der Stille

Wenn Schwester M. Renata morgens um neun ins Hospiz kommt, dann führt sie ihr erster Weg in den Raum der Stille. „Dann sehe ich immer sofort, ob in der Nacht jemand gestorben ist“, sagt sie. In diesem Raum sind auf gelben Kärtchen, die liebevoll vor Blumen und Kerzen hingestellt wurden, die Namen der Verstobenen zu lesen. Die Franziskanerin schaut hier regelmäßig nach dem Rechten, zündet Kerzen an oder legt kleine Zettel mit tröstenden Texten für die Besucher des Raumes bereit, die hier gedanklich Abschied von einem verstorbenen Angehörigen nehmen können, etwas in das Verabschiedungsbuch schreiben oder einfach einen Ort des Rückzugs und der Stille suchen. Jeden Montag bietet Schwester M. Renata hier eine Abendandacht an für alle, die gerne gemeinsam beten möchten. „Aber auch wenn einmal niemand kommt, bin ich hier und bete für die Menschen in unserem Haus und ihre Angehörigen“, erklärt sie. Darauf können sich alle verlassen, und für viele ist diese Gewissheit „Jemand ist da und betet für mich“ sehr tröstlich.

„Anfangs bin ich immer zurückhaltend“

Bevor die Seelsorgerin ihre morgendlichen Besuche bei den Gästen des Hospizes beginnt, erkundigt sie sich zunächst bei den Pflegekräften nach Besonderheiten. Ging es jemandem sehr schlecht in der letzten Nacht? Haben sie das Gefühl, dass ein Gast das Bedürfnis nach einem Gespräch haben könnte? Bei ihnen schaut Schwester M. Renata dann als erstes durch die Tür. „Anfangs bin ich immer zurückhaltend“, beschreibt sie ihr Vorgehen, „wenn ich merke, dass der Gast eher müde ist oder allein sein möchte, dann sage ich nur ein paar freundliche Worte und komme später wieder“.

Gespräche „über Gott und die Welt“

Meistens aber freuen sich die Menschen über Schwester M. Renatas Besuche. Manchmal bleibt sie einfach nur am Bett sitzen und hält die Hand, mit anderen redet sie im wahrsten Sinne des Wortes „über Gott und die Welt“. Oft kommen Glaubensfragen zur Sprache und Schwester M. Renata empfindet es dabei als hilfreich, dass sie kein Ordenskleid trägt. Sie stellt sich zwar als Ordensschwester vor, aber ohne Habit sei der Einstieg in das Gespräch unbefangener. „Ich komme in erster Linie als Mensch zu ihnen, nicht als Ordensfrau“, betont sie. Die eigene Religion wird im Hospiz immer berücksichtigt, so wird zum Beispiel in den Zimmern auch noch erst der Zustimmung des Gastes ein Kreuz aufgehängt. Viele finden mit Schwester M. Renata einen Weg, sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen. Andere bleiben bei ihrer atheistischen Überzeugung – und auch das ist kein Problem für die Franziskanerin: „Man muss mit mir nicht immer beten“, stellt sie klar. Für sie gehe es in erster Linie um die Bedürfnisse des Sterbenden – allein denen möchte sie gerecht werden.

„Er hat alles losgelassen und konnte gehen“

Eine an Krebs erkrankte Frau mit einem sehr pragmatischen Charakter stellte ihr einmal die Frage, wie man denn so an Krebs sterbe.  Diese direkte Frage hat die Seelsorgerin im ersten Moment geschockt, sie musste sich erst wieder fangen, bevor sie antworten konnte. Da sie selbst oft am Bett eines Sterbenden sitzt und ihn bis zum letzten Ausatmen begleitet, weiß sie, dass der Sterbeprozess sehr individuell abläuft. „Man muss hier immer sehr sensibel bleiben und spüren, was den Menschen gut tut“, weiß die Seelsorgerin. Oft sind in den letzten Stunden nicht mehr viele Worte nötig, sie ist einfach nur da: „Renata, ich habe Angst“ hat ein sterbender Gast zu ihr gesagt und sie hat ihn spontan in die Arme genommen, bis er ruhiger wurde. Ein anderer Gast wollte nur ganz leicht spüren, dass sie bei ihm war: „Ich habe noch nicht einmal seine Hand gehalten, er wollte nur meine Fingerspitzen auf seinen fühlen“, erzählt die Ordensfrau. Irgendwann hat er ein letztes Mal ruhig ausgeatmet, seine Hand entspannte sich und der Ehering fiel herunter. „Er hat alles losgelassen und konnte gehen“, sieht Schwester M. Renata in dieser Situation viel Symbolik.

Trost für die Angehörigen

„Manchmal brauchen mich aber die Angehörigen noch mehr als die Kranken“, so ihre Erfahrung. Denn das Sterben kann ein langer Prozess sein und es kostet die Familienmitglieder und Freunde sehr viel Kraft, sich immer wieder zu verabschieden. Dann ist Schwester M. Renata für sie da, hört ihnen zu und spendet Trost. Auch nach dem Tod des Angehörigen begleitet sie die Familie in ihrer Trauerarbeit, zum Beispiel im Trauercafé, das das Franziskus-Hospiz seit sechs Jahren anbietet. Hier kommen trauernde Angehörige zusammen, die alle Ähnliches erlebt haben und sich hier über ihr Erfahrungen und Emotionen austauschen, aber auch gemeinsam fröhliche Stunden verbringen. „Durch diese Gruppe haben einige wieder richtig ins Leben zurück gefunden und es sind sogar schon neue Beziehungen entstanden“, freut sich Schwester M. Renata.

Sie tut alles, damit es den Gästen gut geht

Das Sterben gehört zum Leben dazu, dennoch bedeutet es immer eine Ausnahmesituation. Schwester M. Renata kommt dank ihres Glaubens und dank Supervision gut mit ihrer besonderen Aufgabe zurecht. Oft empfindet sie ihre intensive Arbeit als Geschenk. Nur manchmal, wenn es um junge Menschen geht, die vielleicht noch kleine Kinder haben, dann „macht man doch schon mal ein Fragezeichen“, gesteht sie ein. Sie sei selbst so alt geworden und habe sich schon das ein oder andere Mal gewünscht, tauschen zu können. So tut sie alles, damit es den Gästen im Hospiz gut geht und sie so ruhig und entspannt wie möglich sterben dürfen. „Eine junge Frau, die recht lange gelitten hat, wünschte sich sehr, ihren Lebenspartner noch heiraten zu können“, erzählt sie von einem besonderen Moment, „spontan haben wir abends um halb sechs einen Standesbeamten gerufen, die beiden getraut und mit Blumen und Sekt gefeiert“. Ein paar Tage später konnte die junge Frau loslassen und ist ganz ruhig verstorben.

Trotz vieler trauriger Erlebnisse hat sich die Ordensfrau eine fröhliche und vor allem liebevolle Ausstrahlung bewahrt. Vielleicht ist das der Grund, warum Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gäste des Hospizes davon überzeugt sind: Schwester M. Renata ist nicht allein die Seelsorgerin des Hospizes – sie ist der gute Geist des Hauses.

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