Jeder Mensch braucht eine Begleitung beim Sterben

„Sterben in dieser Zeit“ – Franz Müntefering bezog bei Diskussionsveranstaltung der Waldbreitbacher Hospiz-Stiftung klar Position

Diskutierten über Sterben in dieser Zeit: Franz Müntefering (Mitte), Verena Krings-Ax vom Ambulanten Hospiz Neuwied, Dr. Christoph Zimmermann-Wolf aus dem Seelsorgeteam des Marienhaus Klinikum, Chefarzt und Palliativmediziner Dr. Christian-René de Mas sowie Moderator Marcelo Peerenboom (von links).

04.09.2015

Neuwied. Franz Müntefering weiß sehr genau, wie er einmal sterben möchte: Er möchte bei klarem Verstand bis zuletzt leben und sich von seiner Familie und Freunden verabschieden können, bevor er geht. Dem Tod sieht der 75-Jährige ein Stück weit gelassen entgegen; denn der müsse dank Palliativmedizin und hospizlicher Betreuung heutzutage „kein Martyrium, keine Katastrophe“ mehr sein. Was dem ehemaligen Bundesminister und SPD-Parteivorsitzenden gleichwohl Sorge macht, ist die Tatsache, dass unsere Gesellschaft das Sterben weitgehend aus dem Leben verdrängt hat. Deshalb plädierte er am Donnerstagabend vor mehr als 150 Zuhörern auch vehement dafür, dass wir Sterben als Teil des Lebens wieder akzeptieren lernen und den Mut aufbringen, mit diesem Thema natürlicher umzugehen.

Müntefering, der seiner Mutter und seiner krebskranken Frau „Hilfe beim Sterben“, wie er es nennt, geleistet hat, war auf Einladung der Waldbreitbacher Hospiz-Stiftung in das Foyer des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth nach Neuwied gekommen. Hilfe beim Sterben leisten seiner Überzeugung nach alle, die haupt- oder ehrenamtlich in der Palliativ- und Hospizarbeit tätig sind. Deshalb fordert er auch – genau so wie es die Waldbreitbacher Hospiz-Stiftung tut – den gezielten und flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung. Wobei er weiß, dass dazu momentan noch viele qualifizierte Fachkräfte fehlen.

Ärztliche Beihilfe zum Suizid oder gar organisierte Sterbehilfe lehnt Müntefering dagegen entschieden ab. Aktuell ringt der Bundestag ja darum, ob beziehungsweise in welchem Rahmen Sterbehilfe erlaubt werden soll. Müntefering würde an der bestehenden Gesetzeslage am liebsten nichts ändern, denn er ist überzeugt, dass „kein Gesetz regeln und beschreiben kann, dass und unter welchen Bedingungen ich gehen darf“.

Deshalb plädierte Müntefering auch dafür, dass die Gesellschaft, nein wir alle stärker darauf schauen müssten, „wie wir alt werden“. Viele ältere Menschen würden vereinsamen und so ihres Lebens überdrüssig. Auch und gerade sie hätten ein Recht auf ein Leben bis zuletzt.

Wie dieses Leben bis zuletzt aussehen kann und wie sich ihre Arbeit mit schwerstkranken und sterbenden Menschen gestaltet, was somit also Sterben in dieser Zeit bedeutet, darüber berichteten im Anschluss an den Impulsvortrag von Franz Müntefering Verena Krings-Ax, sie ist Hospizfachkraft im Ambulanten Hospiz Neuwied; Dr. Christian-René de Mas, der Chefarzt der Inneren Medizin im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied und zugleich Palliativmediziner ist; und Dr. Christoph Zimmermann-Wolf, der als Seelsorger im Klinikum arbeitet. Moderiert wurde die Veranstaltung von Marcelo Peerenboom, dem Redaktionsleiter der Rhein-Zeitung in Altenkirchen.

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