Dies ist einer der schönsten Tage seines Lebens gewesen

Die Palliativstation des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth macht auch ungewöhnliche Wünsche wahr

31.05.2011

Neuwied. Dass er schwer krebskrank war und nur noch kurze Zeit zu leben haben würde, das erfuhr Rüdiger Fuhrmann – dass sein richtiger Name in der Zeitung erscheint, das wollte der 63-Jährige nicht – Anfang des Jahres. Da ging es dem gelernten Elektriker, der in seinem Berufsleben viel in der Welt herum gekommen ist, bereits sehr schlecht. Zunächst hatte man ihn im Krankenhaus auf einer Internistischen Station behandelt, schließlich kam er auf die Palliativstation des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth.

„Herr Fuhrmann machte sich sehr viel Sorgen, was einmal aus seiner kranken Frau werden würde, ganz besonders aber vermisste er seinen Hund Othis“, erinnert sich Sabine Halter. Sie hat viele Jahre im ambulanten Hospizbereich gearbeitet und ist seit Anfang des Jahres Palliativkoordinatorin des Marienhaus Klinikums. Dass der Hund – „eine Dobermann-weiß-nicht-was-Mischung“, wie Rüdiger Fuhrmann mir bei meinem Besuch mit strahlenden Augen erzählte – aufgrund der bestehenden Hygienevorschriften sein Herrchen nicht am Krankenbett besuchen konnte, „das war uns allen klar“, so Sabine Halter.

Aber deshalb von vornherein den Gedanken zu verwerfen, ob ein Wiedersehen von Hund und Herrchen nicht doch irgendwie organisiert werden könne, das kam für das Team nicht in Frage. Denn schließlich ist es das Ziel einer Palliativstation, die Lebensqualität ihrer Patienten zu erhalten, indem man ihnen den Schmerz nimmt oder zu lindern versucht; die Symptome der Krankheit wie Übelkeit oder Erbrechen bekämpft; und sich neben den körperlichen auch der seelischen Schmerzen der Patienten annimmt. Und litt Rüdiger Fuhrmann nicht sichtlich darunter, dass er seinen treuen Freund Othis nicht sehen konnte?

Sabine Halter ist immer noch stolz darauf, dass das Team der Palliativstation einen Weg gefunden hat, um ein Wiedersehen von Rüdiger Fuhrmann und seinem Hund zu arrangieren. Susan Spraque-Wessel, die Psychologin der Station und selbst Hundebesitzerin, holte Frau Fuhrmann und Othis zu Hause ab und sagte telefonisch auf der Palliativstation bescheid, als sie losfuhren. Das war für Sabine Halter und Ingeburg Lippert von der Pflegeüberleitung das Zeichen, um Rüdiger Fuhrmann in seinem Bett via Aufzug ins Erdgeschoss und von dort in den Innenhof des Klinikums zu bringen. Als er seinen heiß geliebten vierbeinigen Begleiter in die Arme schloss, da flossen nicht nur bei Rüdiger Fuhrmann die Tränen.

Die Fotos, die Stationsleiterin Wilma Schlich bei diesem Wiedersehen geschossen hat, zeigt Rüdiger Fuhrmann mir bei meinem Besuch sofort. Und er erzählt sichtlich bewegt, wie froh und dankbar er ist, dass er Othis noch einmal hat sehen dürfen, und meint, dies sei einer der schönsten Tage seines Lebens gewesen.

Rüdiger Fuhrmann ist zwischenzeitlich verstorben. Der Tod hat ihn von seinem schweren Leiden erlöst. Sabine Halter und mit ihr das gesamte Team der Palliativstation sind ein klein wenig stolz, dass sie diese auf den ersten Blick etwas verrückte Idee umgesetzt und Rüdiger Fuhrmann und Othis für eine letzte Begegnung wieder vereint haben. „Aber genau das zeichnet Palliativarbeit aus, dass wir versuchen, dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Bei Rüdiger Fuhrmann ist uns das gelungen.“

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