„Von ihrer kindlichen Art, mit den Themen Sterben und Tod umzugehen, können wir Erwachsene noch viel lernen“

Ehrenamtliche des St. Jakobus Hospizes und des Kinder-Hospizdienstes Saar engagieren sich im Projekt „Hospiz macht Schule“ und führen Kinder behutsam an die Themen Sterben und Tod heran

Die Schülerinnen und Schüler malten unter anderem, wie sie sich den Tod vorstellen und was ihrer Vorstellung nach danach geschieht.

26.11.2014

Dillingen. Die Schüler der 4a der Primsschule begrüßen an diesem Freitagmorgen die fünf Frauen in ihrem Klassenzimmer, als wären sie lange und sehr gute Bekannte. Einige der Kinder umarmen sie sogar. Dabei kennen die Kinder sie erst seit vier Tagen. In dieser Zeit haben sie aber gemeinsam viel erlebt und eine ganz besondere Nähe zu einander aufgebaut. Die fünf Frauen sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des St. Jakobus Hospizes und des Kinder-Hospizdienstes Saar. Sie engagieren sich für das Projekt „Hospiz macht Schule“. Gemeinsam mit der Projektkoordinatorin Christa Debrand von der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Saarland e.V. und des Christlichen Hospizkreises Saarlouis e.V. haben sie die 22 Schülerinnen und Schüler behutsam an die Themen Sterben und Tod herangeführt. Das Projekt gibt es bereits seit 2008. An der Primsschule wurde es Mitte November zum ersten Mal durchgeführt. „Und es wird nicht das letzte Mal sein“, freut sich Schulleiter Christoph Breinig über die Begeisterung seiner Schüler. 

Das Klassenzimmer der 4a ist in dieser Woche bunter als sonst. An den Wänden hängen Plakate, die die Kinder im Laufe der Projektwoche gestaltet haben. Quer durch den Raum spannen sich Schnüre, an denen Papierschmetterlinge, Wolken, Sonne, Mond und Bilder hängen. In der Mitte stehen fünf Schatzkisten – eine für jeden Tag. „Jeder Tag stand unter einem anderen Motto“, erläutert Christa Debrand: Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, Vom Traurigsein, Trost und Trösten. In den Schatzkisten befinden sich die Arbeitsmaterialien für den Tag.

Die Klasse wurde zu Beginn der Woche in fünf Gruppen aufgeteilt, die von je einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin begleitet wird. „Die kleinen Gruppen sorgen für eine geschützte Atmosphäre“, erläutert Debrand, „hier öffnen sich die Kinder auf eine Weise, wie sie es manchmal noch nie getan haben“. Sätze, die die Kinder im Laufe der Woche immer wieder von ihren ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen hören, sind: Ihr müsst nichts machen, was ihr nicht wollt. Und: Ihr dürft uns alles sagen, aber ihr dürft auch schweigen. „Wichtig ist uns, dass die Kinder mit den Themen nicht überfordert sind“, so Debrand weiter.

Das jeweilige Thema des Tages wurde auf die unterschiedlichste Weise bearbeitet. So beantwortete beispielsweise ein Arzt den Kindern am Dienstag all ihre Fragen rund um das Thema Krankheit. „Da kommen natürlich auch Fragen zu Krankheiten, an denen Menschen sterben können“, weiß Ruthild Lintz, eine ehrenamtliche Hospizhelferin des Kinder-Hospizdienstes Saar, aus Erfahrung. Anschließend stellten die Kinder verschiedene Krankheiten oder Notfallsituationen pantomimisch dar. „Das hilft ihnen, das Gehörte zu verarbeiten“, erläutert Lintz, die zum zweiten Mal für das Projekt „Hospiz macht Schule“ tätig ist. Nach einer Krebserkrankung hatte sie beschlossen, sich in der Hospizarbeit zu engagieren. „Und die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Freunde. Von ihrer kindlichen Art, mit den Themen Sterben und Tod umzugehen, können wir Erwachsene noch viel lernen“.

Um den Themenbereich „Sterben und Tod“ zu verdeutlichen, zeigten die Ehrenamtlichen den Kindern einen Film aus der Reihe „Willi will’s wissen“. In diesem Film unterhält sich der Reporter Willi Weitzel mit einem sehr alten Mann darüber, wie es ist, bald zu sterben, und besucht einen Bestatter. „Anschließend besprechen wir mit den Kindern das Gesehene“, erklärt Debrand. In den Kleingruppen be- und verarbeiten die Kinder die jeweiligen Themen. So malten sie unter anderem ihre Vorstellung vom Tod und was danach passiert. „Für uns ist das immer sehr interessant und berührend“, erzählt Ruthild Lintz. „Es macht dabei keinen Unterschied, dass nicht nur Kinder aus christlich sozialisierten Familien dabei sind, sondern auch muslimische oder konfessionslose Kinder“, ergänzt ihre Kollegin Ruth Schweigert, die von Anfang an bei „Hospiz macht Schule“ dabei ist.

Während der Projektwoche sind die Klassenlehrerin Inken Wotipka und Christa Debrand als Ansprechpartner für den Notfall da. „Wir wissen ja oft nicht, welche Erfahrungen die Kinder bereits mit dem Sterben haben“, erklärt Debrand. Sollte einem Kind ein Film, ein Arbeitsauftrag oder eine Situation zu viel werden, wird es aufgefangen und betreut. An diesem Freitag sucht die kleine Julie zum Beispiel plötzlich weinend Trost bei ihrer Klassenlehrerin. Die Kinder sollten ihre eigenen Wünsche oder die Wünsche, die sie einem Verstorbenen mitgeben wollen, aufschreiben und an eine Gedenkkerze legen. Bei Julie kamen dabei schmerzhafte Erinnerungen an ihren verstorbenen Hund wieder hoch.

Zum Ende jeder Projektwoche werden die Eltern in die Schule eingeladen. „Die Kinder zeigen ihnen, was wir alles gemacht haben“, berichtet Ruthild Linzt. Die Eltern haben dann auch die Möglichkeit, mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen und ihrerseits Fragen zu stellen. „Das nehmen sie auch gern wahr“, ist die Erfahrung von Christa Debrand. „Denn einige Eltern stehen anfangs dem Projekt skeptisch gegenüber“, ergänzt sie. Die Begeisterung ihrer Kinder überzeugt sie dann aber von dem Projekt und von der Arbeit der Ehrenamtlichen. Diese haben zu ihrer Ausbildung als Hospizhelfer zusätzlich eine Weiterbildung speziell für das Projekt „Hospiz macht Schule“, manche haben sogar eine Ausbildung zum Trauerbegleiter für Kinder.

Die Schülerinnen und Schüler der 4a hatten so viel Freude während ihrer Projektwoche, dass sie sich wünschen, dass die Ehrenamtlichen wieder zu ihnen kommen und das Projekt fortführen. „Da haben wir in dieser Woche alles richtig gemacht“, freut sich Christa Debrand über diese Rückmeldung.

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